Funitels

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Anmerkung:

Der Basis-Text für diesen Artikel stammt von den Seiten des Projekts funitel.de und ist vom Autor für dieses Wiki explizit freigegeben. Ergänzungen und Erweiterungen sind ausdrücklich erlaubt und sogar sehr erwünscht, bei Änderungen jedoch bitte unbedingt die Quellenangaben in der Diskussion hinterlassen.


Entwicklungsgeschichte

Die erste Seilbahn dieses Typs, das Funitel de Péclet, wurde 1991 im französischen Val Thorens in Betrieb genommen, nachdem sich die Bahn bereits rund ein Jahr im Testbetrieb befunden hatte. Als Basis dienten die Anfang der 1980er Jahre in Frankreich von Denis Creissels entwickelten und von Poma gebauten DMC-Umlaufbahnen mit zwei parallel geführten Förderseilschleifen und Kabinen bis 25 Personen. Die Abkürzung DMC steht hierbei für "Double MonoCable", zu deutsch in etwa "Doppel-Einseilbahn".

Bahnen dieser Art wurden später in Lizenz auch von Agudio in Italien realisiert. Außerdem wurde an Doppelmayr eine entsprechende Lizenz vergeben.

Für das Funitel wurde nun hauptsächlich die Seilspur auf 3,2 m verbreitert und die Gehänge auf 0,7 m verkürzt, um das ganze System noch windstabiler zu machen. Damit einher ging eine Veränderung der Gehänge von der T-Form des DMCs in eine Art "H", was wiederum größere Kabinen mit einem Fassungsvermögen bis 40 Personen (Anlage in Chutes Mont Morency) zuließ.

An der Realisierung beteiligt waren neben dem Planungsbüro von Denis Creissels die Schweizer Firmen WSO bzw. Garaventa (erstere befand sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Übernahme durch letztere), sowie der französische Maschinenbaukonzern Reel und die Betreibergesellschaft von Val Thorens, SETAM. Dies ist wohl der Hauptgrund dafür, dass Val Thorens heute der Ort mit der weltweit höchsten Funitel-Dichte ist und 2003 bereits die dritte Anlage in Betrieb nahm.

Nach einer Pause von drei Jahren wagte sich Garaventa 1994 an die zweite Anlage, die jedoch statt zweier einzelner Seilschleifen (DMC-Seilführung) über eine einzige, doppelt gelegte Endlosschleife (DLM) verfügte - ein System, das Doppelmayr 1987/88 in Sölden erst- und einmalig in dieser Form für eine sogenannte DLM-Umlaufbahn eingesetzt hatte. Ein Jahr später, 1995, baute auch Doppelmayr sein erstes echtes Funitel, den Gletscherbus II am Hintertuxer Gletscher. Tatsächlich hatte man bereits 1993 eine Anlage in Kanada realisiert, die jedoch nur über Pendelbetrieb verfügte.

In der Folgezeit entstanden diverse Anlagen sowohl in den Alpen als auch in Japan und Nordamerika, meist als Hauptzubringer oder auf wichtigen Verbindungsstrecken. Als Variation der Funitels im Umlaufbetrieb entstanden auch sogenannte JigBack-Funitels im Pendelbetrieb oder Gruppen-Pendelbetrieb.


Hersteller

Neben der bereits am Prototyp in Val Thorens beteiligten Garaventa AG aus der Schweiz, die mittlerweile Teil der Doppelmayr-Gruppe ist, wurden und werden auch von Poma und Doppelmayr selbst eigene Funitel-Variationen angeboten.


Doppelmayr

Doppelmayr besaß zwar eine Lizenz von Denis Creissels für das DMC-System. Trotzdem zog man es vor, für die eigenen Funitels auf das selbst entwickelte DLM-System zurückzugreifen, welches 1987/88 in Sölden erst- und einmalig in dieser Form für eine Umlaufbahn mit 24er-Kabinen verbaut worden war.

Nach diesem Prinzip der Seilführung entstanden von 1995 bis heute sechs Funitel-Anlagen mit Umlaufbetrieb. Dazu kam bereits 1993 ein sogenanntes JigBack-Pendelfunitel in Kanada, welches zum damaligen Zeitpunkt als Pendelbahn vermarktet worden war, sowie eine weitere, auf die Wintersaison 2004/2005 im Bau befindliche Anlage in Alpe d'Huez im Gruppen-Pendelbetrieb mit 2x2 Kabinen. Für das Jahr 2005 ist außerdem der Bau einer Anlage in Griechenland vorgesehen.

Die japanischen Funitels wurden bzw. werden von Nippon Cable in Lizenz erstellt und sind weitestgehend baugleich zu den Doppelmayr-Anlagen.


Garaventa

Auch Garaventa setzte auf die DLM-Seilführung, orientierte sich ansonsten jedoch mehr am Prototyp aus Frankreich. Zwischen 1994 und 1998 baute man drei Anlagen in Verbier, Montana und Squaw Valley, eine weitere war 1995 in Zermatt geplant, kam aber nicht zu Stande. Seit der Fusion mit Doppelmayr im Jahr 2002 werden Funitels nach Art von Garaventa nicht mehr gebaut.


Poma

Poma sprang 2001 als bisher letzte Firma auf den Funitel-Zug auf und verbaute bis heute jeweils eine Anlage mit Umlaufbetrieb und eine JigBack-Pendelfunitel, beide in Val Thorens. Die Bahnen orientieren sich hierbei weitestgehend am Prototyp, der Anfang der 90er Jahre unter Federführung von Denis Creissels erstellt worden war.


Technik

Obwohl die Funitels der verschiedenen Hersteller auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen, ist die zu Grunde liegende Technik sehr verschieden. Dies äußert sich nicht nur in Details wie Seilklemmen oder Kabinen, sondern auch in grundsätzlichen Dingen wie Seilführung oder Antriebsform.

Für das Ur-Funitel in Val Thorens wählte Denis Creissels die von seinen DMC-Umlaufbahnen bewährte Technik aus zwei verschiedenen Seilschleifen (Double MonoCable, DMC) und je einem Antriebsmotor pro Seilschleife, deren Gleichlauf im Betrieb über die Stromaufnahme elektronisch geregelt und die im Bremsfall über ein Differenzialgetriebe mechanisch gekoppelt wurden.

Garaventa übernahm in Verbier 1994 dieses Antriebssystem, ersetzte jedoch die beiden einzelnen Seilschleifen durch eine einzige, doppelt gelegte (DoubleLoop Monocable, DLM) - ein System, das Doppelmayr für die Gaislachkoglbahn in Sölden entwickelt und patentiert hatte. Die Abspannung des Förderseils erfolgte über ein Spanngewicht. Nachdem ein Jahr später in Montana eine weitere Anlage nach diesem System gebaut worden war, schwenkte man bei der letzten Anlage 1998 um und übernahm das Antriebsprinzip von Doppelmayr.

Diese hatten für ihre erste Anlage 1995 in Hintertux beide Antriebsscheiben auf einer einzigen, gemeinsamen Achse fixiert und mit zwei Motoren jeweils ober- und unterhalb der Antriebsscheiben versehen (Doppelantrieb). Die elektronische Regelung des Gleichlaufs wird somit überflüssig, allerdings mussten die beiden Antriebsscheiben über einen möglichst identischen Umfang verfügen, was im Probebetrieb mit Hilfe einer Abschleifeinrichtung an der Seilscheibenfutterung sichergestellt wurde. Im Betrieb tendieren die Antriebsscheiben dann selbsttätig zur gleichmäßigen Abnutzung.

Poma kehrte 2001 zurück zum Ursprungssystem von Creissels, mit DMC-Seilführung und gekoppelten Einzelantrieben, kombiniert mit je einer hydraulischen Abspannungseinrichtung pro Förderseil.

Daneben unterscheiden sich die Funitels in der Art des Kabinenumlaufs in den Stationen und natürlich in der Art der Seilklemmen, Kabinen und Stützen, bei denen jeweils herstellerspezifische Teile und Lieferanten bevorzugt wurden. Garaventa übernahm das System der Pilotanlage in Val Thorens mit Bodenförderern und rollenden Kabinen, setzte auf die selben Gehänge und Seilklemmen wie in Frankreich und Kabinen von CWA.

Doppelmayr bevorzugt in den Stationen ein Hängeschienensystem mit Reifenförderern wie bei klassischen Einseilumlaufbahnen. Dazu kommt ein selbst entwickeltes Gehänge mit der typischen Torsionsfederklemme und Kabinen von Köberl. Die neuesten Bahnen wurden bzw. werden jedoch nun mit einer neu entwickelten Kabine von CWA ausgestattet, die auch bei 3S-Anlagen eingesetzt wird.

Poma setzt auf Kabinen vom Hauslieferanten Sigma Composite sowie diverse, von Einseilumlaufbahnen bekannte Standardteile wie die Schraubenfederklemmen vom Typ Phoenix. In den Stationen kommen ebenfalls Bodenförderer zum Einsatz.


Weiterführende Links

  • funitel.de hat sich der Sammlung von Informationen über Funitels verschrieben. Mit reich bebilderten Porträts zu allen existierenden Anlagen.